|
|
|
Ruhrnachrichten 15. September 2008
Gib uns unser täglich` Brot
Wenn man aus dem Busch zurückkehrt, weiß man, was man zu Hause hat
LAVESUM ■ Zurück zu sein im idyllischen Lavesum - das war eine große
Umstellung für Robert Bollerott. Er war in Iboja, Dar es Salaam,
Tansania, Ostafrika.
Dort hat er gemeinsam mit Schülervertreter Simon Kraus Pater Ralf Weber
besucht und sich über die Projekte informiert. Was passiert dort mit dem
Geld aus Haltern? Immerhin hatte der 56-jährige Lehrer des
Joseph-König-Gymnasiums 10200 Euro (rund 15 000 Dollar) „auf dem Bauch".
Alles sei gut gelaufen, beschwichtigt Bollerott sofort - das ganze Geld
sei angekommen und auch schon fast ausgegeben...
Luxusgüter
Das Land fasziniert Bollerott. Wieder zu Hause, weiß man, was man alles
hat: zurückgelehnt im weichen Kissen auf der gemütlichen Sitzecke im
schönen Zuhause mit fließend Warm- und Kalt-Wasser, „richtigem"
Filter-Kaffee sowie der Qual der Wahl beim Einkauf. Im ostafrika-nischen
Busch war es ein Problem, überhaupt einen Laden zu finden.
„Die Erlebnisse und Erfahrungen verändern einen", resümiert Robert
Bollerott. „Allein die tiefe Religiosität: Die Menschen beten das Vater
unser mit einer unglaublichen Inbrunst und Überzeugung. Sie kämpfen
täglich ums Überleben. Da bekommt 'und gib uns unser tägliches Brot'
eine neue Bedeutung."
Robert Bollerott besuchte Pater Ralf nicht nur im Haus der Weißen Väter,
sondern in Tandale, 5 km vor Dar es Salaam - Slums. „Tandale", hat er
gelernt, „ist dort ein Schimpfwort." Tiefer sinken könne man nicht. Doch
es ziehe immer mehr Menschen in die Großstadt, hofften sie auf Arbeit,
auf Überleben - und landeten in den Slums, die sich zwischen Fluss und
Hauptstraße ausbreiten. Und genau hier schließen sich Schule und Kirche
der „Weißen Väter" an.
Basisgemeinschaften
Sie ist ein Anlaufpunkt für die Menschen. Hierher kommen sie mit ihren
Sorgen und Nöten. Die Patres haben Nachbarschaften gegründet,
Basisgemeinschaften, die sich unabhängig von der Religion gegenseitig
helfen. Über diese Strukturen erfolgt auch die Nahrungsmittelhilfe des
World Food-Programms an die Menschen.
So erfuhren die „Weißen Väter", dass viele (Halb-) Waisen keine
Beschäftigung haben, nicht zur Schule gehen und nur bei Großeltern und
Nachbarn 'rumhängen. Oder aber sie durchstrei-fen die Mülldeponien auf
der Suche nach Plastikflaschen, Holz, Metall, um diese Dinge an
Zwischenhändler zu verkaufen. Allerdings: Wer nicht rechnen kann, wird
da schnell übers Ohr gehauen.
Sozialarbeiter
Die Nachbarschaftsgruppen treffen sich, tauschen sich aus, erörtern
Fragen und Probleme, suchen Lösungen und holen sich notfalls Hilfe bei
den „Vätern" beziehungsweise dem Sozial-arbeiter, der nun aus Mitteln
der Spenden aus Haltern bezahlt werden kann. Jedenfalls für die nächsten
Monate. Nur über Bildung können es die Menschen aus den Slums in eine
bessere Welt schaffen. Bildung bedeutet Arbeit, Arbeit Überleben.
Hier setzt auch Pater Ralfs Hilfe an: Straßenkinder kommen nicht so
einfach zum Schulbe-such, es muss Kontakt aufgebaut, eine
Vertrauensbasis geschaffen werden. Das sei eine der Aufgaben des
Sozialarbeiters. In der Sakristei wird Lesen und Schreiben unterrichtet.
Es gibt Alphabetisierungskurse. In ihrem überbelegten „Zuhause", wenn
die Kinder überhaupt eines haben, gibt es keinen Strom, kein Wasser,
keine sanitären Anlagen, keine Ruhe.
Das neue „soziale Zentrum" wurde gerade fertig, Robert Bollerott und
Simon Kraus waren dabei, als der Computer-Raum mit den neuen Computern
und den selbst geschreinerten Tischen und Sitzen aufgebaut wurde. Eine
Kindertagesstätte soll eingerichtet werden. Schwester Susi kümmert sich
neben der Hausaufgabenbetreuung um Nähkurse, Aufklärung und Hygiene.
Traum von Bibliothek
Und wenn noch Geld übrig bleibt, erzählt Robert Bollerott, dann wird die
Bibliothek in Angriff genommen. Ein Traum von Pater Ralf und Schwester
Susi - um den Jugendlichen ungestörtes Lernen und Lesen zu ermöglichen.
Elke Rüdiger (RN 15.9.08)
|
|

Spendenkonto:Afrika Missionare
Kto-Nr.: 3703088
Hypo Vereinsbank
BLZ: 37020090
Verwendungszweck: Konto-Nr. 52307 Pater Ralf Weber
|