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RELIGION
18. Mai 2010
Besuch der 7a im Krematorium Dülmen
Am 18.05.10 haben wir mit der Klasse 7a in Zusammenhang mit dem
Religionsunterricht als Exkursion zum Thema Tod das Krematorium Dülmen
besucht. Das einzige Krematorium im Münsterland ist in vier Sektoren
aufgeteilt: Das Verwaltungsgebäude, den Kühlraum, die Technik und die
Abschiedname. Als erstes haben wir die Verwaltung besucht. In diesem
Trakt des Gebäudes erinnert noch nichts an Tote, Verbrennung oder
Trauer. Das einzig Außergewöhnliche ist das Autogramm von Leonardo di
Caprio, welches er bei der Einäscherung seiner Großmutter hinterließ.
(Robin)
Als Erstes führte Herr Leichtweis, der Leiter des Krematoriums, uns in
das Büro, wo die Anmeldung der Toten erfolgt und Anrufe entgegengenommen
werden. Nachdem wir die Mitarbeiterin im Büro kennengelernt hatten,
gingen wir zu den Urnen. Die Urnen sind aus einem leichten Material. Sie
werden in eine größere und schönere Urne reingepackt, die man sich
aussuchen kann. Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Entweder man
vergräbt sie einfach oder man kauft einen Baum, wo alle Verwandte drum
herum begraben werden, oder man fährt mit einem Boot an eine bestimmte
Stelle, wo viele Urnen ins Wasser gelassen werden und auch ins Wasser
gelassen dürfen. Eine andere aber eher ungewöhnliche Möglichkeit ist,
die Urne samt Asche in Weltall zu schießen. Auf jeden Fall löst sich die
Urne aus dem bestimmten Material irgendwann auf. (Jan-Bernd)
Wird der Tote von dem Bestatter angeliefert, bekommt der Verstorbene
eine Führungsnummer und wird in die Kühlung gebracht. Der täglich
kommende Amtsarzt untersucht diesen dann, ob er wirklich tot ist und
einen natürlichen Tod gestorben ist. Ist dies der Fall, wird dem Sarg
ein schwarzer Punkt aufgeklebt und er wird vom kleinen Kühlungsraum in
den Großen gebracht. Außerdem wird den Angehörigen auch der
Einäscherungstermin mitgeteilt. (Katharina)
In dem 4-6 °C kalten Kühlraum können bis zu 45 Tote in ihren Särgen
„lagern“. Diesen meiner Meinung nach eher unheimlichen Raum konnten wir
dank der eher kühlen Temperatur schnell wieder verlassen. Herr
Leichtweis zeigte uns nun den Verbrennungsofen in dem die Toten mit
ihrem Sarg eingeäschert werden. Der Ofen muss laut Vorschrift mind.
850°C heiß sein, ist in dem Dülmener Privatbetrieb aber 1200°C heiß
gewesen. Um nach solch einer großen Hitze noch zu erkennen wer der Tote
war, hat man ein schlaues Verfahren entwickelt: Ein Schamottestein mit
einer Identifikationsnummer wird in den Sarg gepackt. So könne man
sicher gehen, dass es keine Verwechslungen gäbe, so der gebürtige
Ruhrgebietler. (Robin)
Nach der Verbrennung kühlt die weiß-gelbe Asche, in der man teilweise
noch Knochenformen o. Ä. erkennen kann, aus. Ist sie kalt, werden
Metallstücke mit einem Magneten entfernt und die Asche wird gemahlen und
in die Aschenkapsel gefüllt. Nun ist sie weiß-grau, bröselig und wiegt
nur noch 4 – 5 kg. Die Kapsel wird dann in die vorher von den
Angehörigen ausgesuchte Urne gefüllt und dem Bestatter nach spätestens 3
Tagen übergeben. (Katharina)
Nach dem heißen Ofen war die laute Technik dran. Der Technikraum wird
immer von einem Mitarbeiter überwacht, denn hier kommt das Gas in den
Ofen und die Abgase in die Luft. Deswegen wird der Schadstoffausstoß
auch staatlich überprüft, allerdings seien die Belastungen für die
Umwelt hier an einem Tag geringer als in einer Viertelstunde an einer
befahrenen Kreuzung. Als Letztes war der Abschiedsraum an der Reihe.
Dieser Raum ist für die Angehörigen geschmückt. Hier findet die zweite
Leichenschau statt bevor der Körper dem Element Feuer übergeben wird.
Angesichts dieses schönen Raums mit der liebevollen Vorbereitung ist es
schade, dass es meist keine Angehörigen gibt, die dem vorher durch einen
Amtsarzt geprüften Menschen nachtrauern. (Robin)
Herr Leichtweis und seine Angestellten arbeiten in 2 Schichten von 8 Uhr
morgens bis 2 Uhr nachts. Ein weiter Ofen ist aufgrund der großen
Nachfrage bestellt. Der Inhaber meint, dass sein Beruf krisensicher sei.
Schließlich lassen sich von den 1 % Menschen, die in Deutschland
jährlich sterben, 48 – 49 % einäschern. Von den Toten in Dülmen sind es
mittlerweile auch schon 42 %. Für alle Beschäftigten im Krematorium
Dülmen herrscht absolute Schweigepflicht. Deswegen können auch keine
Daten nach außen dringen. (Katharina)
Der Verabschiedungsraum ist ein heller, kleiner Raum mit einem Fenster,
durch das man den Ofen sehen kann, einem Sarg in der Mitte, den das
Krematorium zur Eröffnung geschenkt bekommen hat, und mehreren Stühlen,
die jeder von uns schnell zu ergattern versucht. Dieser Raum kann nach
Wünschen beliebig dekoriert werden, denn weil dieses ein privates
Krematorium ist, gibt es kaum Grenzen. Beispielsweise können
Luftschlangen aufgehängt werden, sogar der Sarg kann angemalt werden.
In diesem Raum erzählte Herr Leichtweis noch, wie er zu diesem Beruf kam
und beantwortete unsere Fragen, wie z. B.:
Ist es natürlich mit Toten zu arbeiten? Mittlerweile ja, denn ich
kenne die Leute ja nicht, und wenn ich ständig an die Toten denken
würde, wäre das ja nicht so gut. Ich vergesse die Leute schnell, und
kann so Beruf und Privates trennen.
Haben Sie denn schon mal Bekannte verbrannt? Ich nicht, aber
meine Frau hat schon zwei Schulkameraden verbrannt.
Werden Tote oft „allein“ verbrannt? Ja, relativ häufig. Wenn die
Toten keine Angehörigen haben, kümmert sich das Ordnungs- oder Sozialamt
darum.
Ist dies Ihr Traumberuf? Oh… Gute Frage… Ähm… Also, es war auf
keinen Fall mein Traumberuf, als ich ein Kind war (lacht)
Bereuen Sie die Entscheidung denn? Nein, auf keinen Fall! Ich kam
ja aus dem Personalmanagement, und meine Frau haben gedacht: „Das ist ja
noch nicht alles“. Wir wollten halt noch was anderes machen. Wir haben
mal in Stade ein Krematorium besucht und das gefiel uns sehr gut! (Nina)
Ich fand die Besichtigung sehr interessant und informativ. Nun weiß ich
bestens über die Bestattung einer Urne Bescheid und mir ist es leichter
gefallen, mich auch für so etwas in meinem späteren Leben zu
entscheiden. Herr Leichtweis hat uns viele Hintergrundinformationen
erzählt, die wir, als normale Bürger, nicht durch Zeitung o. Ä. erfahren
hätten. Auch mal zu sehen, wie ein verbrannter Leichnam aussieht, ist
schließlich nicht der Alltag. (Katharina)
Fazit: Der Besuch im Krematorium hat mir sehr gut gefallen und
ich könnte mir nun gut vorstellen auch solch eine Art der Bestattung zu
wählen, aber wie der Spruch des Krematoriums lautet: Alles hat seine
Zeit! (Robin)
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