Rettungskräfte haben Ende November dem zehnten Jahrgang mit authentischen Beispielen aus ihrer Arbeit gezeigt, wie schnell ein Leben vorbei sein kann – oder wie schnell es sich für immer ändern kann.

Es ist still in der Aula des Schulzentrums, etwa zwölf Duzend Schülerinnen und Schüler der EF schauen auf die Leinwand, auf der die ersten Unfallbilder erscheinen: Autos liegen auf dem Dach oder sind um Bäume gewickelt, abgesperrte Unfallorte und Rettungskräfte im Einsatz.

Das Verkehrsunfallpräventionsprogramm „Crash Kurs NRW“ war zu Gast. Feuerwehrkräfte, Polizei, Notarzt und Notfallseelsorger berichteten aus ihrer Arbeit, kommentierten die Bilder, mahnten zu Umsicht und Vorsicht. Ziel der 90-minütigen Veranstaltung war es, Jugendliche dafür zu sensibilisieren, vorsichtig und verantwortungsvoll am Straßenverkehr teilzunehmen.

Knapp ein Fünftel der Verkehrsunfälle werden von jungen Fahrern verursacht, hunderte Menschen werden dabei jedes Jahr getötet. Die Gründe sind unter anderem überhöhte Geschwindigkeit, kurzzeitige Unaufmerksamkeit, Ablenkung durch das Handy, Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes sowie Alkohol- und Drogenkonsum.

Ein Bericht aus erster Hand stammt von Claudia Dietermann. Der 26. Januar 1994 habe ihr Leben verändert, denn an diesem Tag sei ihr die Freiheit genommen worden, selbst über ihr Leben zu entscheiden. Die ehemalige Halternerin war auf der linken Spur auf der Hullener Straße unterwegs, dann scherte ein Autofahrer rechts neben ihr aus. Sie weicht nach links aus – und kollidierte mit einem Baum.

Ihr Bein bohrte sich 18 Zentimeter in ihre Hüfte, zwei Wochen lag sie im Koma – doch sie überlebte. 20 Monate dauert die Rehabilitation, doch Schmerzen hat sie bis heute, ist bis heute eingeschränkt. „Ich war oft an dem Punkt, an dem ich mich gefragt habe, warum ich nicht an diesem scheiß Baum kleben geblieben bin.“ Und ihre Lebensperspektiven seien nicht mehr dieselben wie zuvor gewesen, was zur Trennung von ihrem damaligen Freund führte. Ihr Leben habe sich im Bruchteil einer Sekunde für immer verändert. Aber: „Ich bin eine Kämpferin, und habe es wieder auf die Beine geschafft.“

Ob Notarzt, Notfallseelsorger, Polizist – alle Redner haben einen Vorfall im Kopf, der sie bis heute begleitet. Unfallseelsorger begleiten einige Schüler aus der Aula, einige senken immer wieder den Blick. Am Ende verabschiedet Polizeihauptkommissarin Ute Honvehlmann die Schüler mit den Worten: „Ihr tragt die Verantwortung, ihr habt nur das eine Leben.“ Zum Abschluss wird das Lied „Geboren um zu leben“ von Unheilig gespielt. „Vielleicht hört ihr dieses Lied nun mit anderen Ohren.“

Es fällt mir schwer
Ohne dich zu leben
Jeden Tag zu jeder Zeit
Einfach alles zu geben
Ich denk so oft
Zurück an das was war
An jedem so geliebten
Vergangenen Tag
Ich stell mir vor
Dass du zu mir stehst
Und jeden meiner Wege
An meiner Seite gehst
Ich denke an so vieles seitdem du nicht mehr bist
Denn du hast mir gezeigt
Wie wertvoll das Leben ist

Wir waren geboren um zu leben
Mit den Wundern jeder Zeit
Sich niemals zu vergessen
Bis in aller Ewigkeit
Wir waren geboren um zu leben
Für den einen Augenblick
Bei dem jeder von uns spürte
Wie wertvoll Leben ist